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Entnahme im Ruhestand: die 4-%-Regel und ihre Grenzen

Redaktion indexfonds.eu
Redaktionell überarbeitet am:

Beim Vermögensaufbau geht es um Sparen und Zeit. In der Entnahmephase kommt eine andere Frage hinzu: Wie viel kann man jedes Jahr entnehmen, ohne dass das Geld zu früh aufgebraucht ist? Eine häufig zitierte Faustregel ist die „4-%-Regel“.

Woher die 4-%-Regel stammt

  • William Bengen (1994) untersuchte mit historischen US-Daten ab 1926, welche anfängliche Entnahmerate – danach jährlich an die Inflation angepasst – in allen untersuchten 30-Jahres-Zeiträumen gereicht hätte. Er kam für Portfolios aus US-Aktien und US-Staatsanleihen auf rund 4 % des Startvermögens.
  • Die sogenannte Trinity-Studie (Cooley, Hubbard und Walz, 1998) berechnete für verschiedene Aktien-Anleihen-Mischungen, Entnahmeraten und Zeiträume, in wie vielen historischen US-Zeiträumen das Vermögen gereicht hätte.

Die Regel lautet vereinfacht: Im ersten Jahr werden 4 % des Startvermögens entnommen, in den Folgejahren derselbe Betrag angepasst an die Inflation – unabhängig davon, wie sich die Märkte entwickeln.

Welche Annahmen dahinterstehen

  1. US-Daten: Der US-Aktienmarkt hat sich im 20. Jahrhundert im internationalen Vergleich überdurchschnittlich entwickelt. Untersuchungen mit Daten anderer Länder (u. a. Wade Pfau, 2010) kamen für viele Märkte zu niedrigeren historisch „sicheren“ Entnahmeraten.
  2. 30 Jahre: Wer früher in den Ruhestand geht oder länger lebt, braucht einen längeren Zeitraum und in der Regel eine niedrigere Rate.
  3. Keine Kosten und Steuern: Fondskosten, Depotgebühren und Steuern auf Gewinne verringern den entnehmbaren Betrag.
  4. Starre Entnahme: Die Regel passt die Entnahme nicht an schlechte Marktphasen an.
  5. Bestimmte Aufteilung: Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Mischungen aus Aktien und Anleihen, nicht für jedes Portfolio.

Das Reihenfolgerisiko

Entscheidend ist nicht nur die Durchschnittsrendite, sondern die Reihenfolge der Renditen. Fallen die Kurse in den ersten Jahren der Entnahme stark, muss ein größerer Teil des Vermögens zu niedrigen Kursen verkauft werden. Dieses Vermögen fehlt später, auch wenn sich die Märkte wieder erholen. Zwei Ruheständler mit derselben Durchschnittsrendite können deshalb sehr unterschiedlich abschneiden.

Flexiblere Ansätze

  • Variable Entnahme: Die Entnahme wird an die Entwicklung des Depots angepasst, zum Beispiel ein fester Prozentsatz des jeweils aktuellen Vermögens.
  • Leitplanken: Die Entnahme wird gekürzt, wenn das Depot unter eine Schwelle fällt, und erhöht, wenn es deutlich gestiegen ist.
  • Liquiditätsreserve: Ein Teil für die nächsten Jahre liegt in risikoarmen Anlagen, damit in Krisen nicht verkauft werden muss.

Mit dem Entnahmeplan-Rechner können Sie verschiedene Entnahmen, Renditen, Kosten und ein Krisenszenario durchrechnen – als Modell, nicht als Prognose.

Steuern bei der Entnahme

Wie Entnahmen besteuert werden, hängt vom Wohnsitzland ab. Grundsätzlich gilt in vielen Ländern: Beim Verkauf von Fondsanteilen wird nur der Gewinnanteil besteuert, nicht der gesamte Betrag.

Beispiel Deutschland (vereinfacht, Stand 2026): Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € pro Person und Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung). Bei Aktienfonds sind nach dem Investmentsteuergesetz 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung). Wer den Pauschbetrag jährlich nutzt, kann die Steuerlast über die Jahre verteilen.

Die 4-%-Regel ist eine historische Beobachtung für US-Märkte, keine Garantie und keine Empfehlung. Für Ihre persönliche Situation – insbesondere steuerlich – kann eine Beratung durch eine Fachperson sinnvoll sein.

Über diesen Guide
  • Niveau: Strategie & Psychologie
  • Lesezeit: 9 min

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