Indexfonds Vertiefung • 6 min

Replikationsmethoden: physisch, Sampling und synthetisch

Redaktion indexfonds.eu
Redaktionell überarbeitet am:

Ein ETF soll die Wertentwicklung seines Index möglichst genau abbilden. Dafür gibt es drei grundlegende Verfahren. Welches ein Fonds verwendet, steht im Prospekt und im Basisinformationsblatt (KID).

Vollständige physische Replikation

Der Fonds kauft alle Wertpapiere des Index in der Indexgewichtung. Das ist bei Indizes mit wenigen, gut handelbaren Titeln üblich, zum Beispiel beim DAX oder Euro Stoxx 50.

  • Die Bestände entsprechen dem Index und werden in der Regel regelmäßig veröffentlicht.
  • Jede Indexänderung und jede Wiederanlage von Dividenden verursacht Transaktionskosten.

Physische Replikation mit Sampling

Bei Indizes mit sehr vielen oder wenig liquiden Titeln, etwa MSCI World oder MSCI Emerging Markets IMI, kauft der Fonds nur eine repräsentative Auswahl. Ziel ist, die wesentlichen Eigenschaften des Index nachzubilden: Länder, Branchen, Unternehmensgrößen.

  • Die Handelskosten sind meist geringer als bei vollständiger Replikation.
  • Die Abweichung vom Index (Tracking Error) kann größer sein, weil nicht alle Titel gehalten werden.

Synthetische Replikation (Swap)

Der Fonds schließt mit einer oder mehreren Banken einen Total-Return-Swap ab. Die Bank verpflichtet sich vertraglich, die Indexrendite zu zahlen; der Fonds gibt im Gegenzug die Rendite eines eigenen Wertpapierkorbs oder von Barmitteln ab.

  • Unfunded Swap: Der Fonds hält einen Wertpapierkorb, der vom Index abweichen kann, und tauscht dessen Rendite gegen die Indexrendite.
  • Funded Swap: Der Fonds überträgt Barmittel an den Kontrahenten und erhält dafür Sicherheiten.

Der Wertpapierkorb ist nicht beliebig: Er muss die Streuungs- und Liquiditätsregeln der OGAW-Richtlinie (UCITS) erfüllen, und viele Anbieter veröffentlichen seine Zusammensetzung.

Swaps können Indizes mit schwer handelbaren Titeln zugänglich machen. Bei manchen Märkten, zum Beispiel US-Aktien, kann die steuerliche Belastung auf Dividenden je nach Konstruktion niedriger sein als bei physischer Replikation. Ob und in welchem Umfang das zutrifft, hängt von der Steuerregelung und dem Swap-Vertrag ab und kann sich ändern. Swap-Gebühren sind nicht immer in der TER enthalten; die Tracking Difference zeigt die Gesamtwirkung aller Kosten.

Risiken im Vergleich

Kontrahentenrisiko beim Swap

Fällt der Swap-Partner aus, fehlt der ausstehende Wert des Swaps. Die OGAW-Richtlinie begrenzt das Risiko gegenüber einem einzelnen Kontrahenten bei OTC-Derivaten auf 10 % des Fondsvermögens, wenn der Kontrahent ein Kreditinstitut ist, sonst auf 5 %. Viele Anbieter setzen den Swap regelmäßig zurück (Reset) und verlangen Sicherheiten. Ein Restrisiko bleibt, etwa wenn Sicherheiten in einer Krise an Wert verlieren.

Wertpapierleihe bei physischen Fonds

Auch physisch replizierende Fonds können Kontrahentenrisiken haben, wenn sie Wertpapiere gegen Gebühr verleihen. Umfang, Sicherheiten und die Aufteilung der Erträge zwischen Fonds und Anbieter stehen im Jahresbericht und oft auf der Website des Anbieters.

Transparenz

Bei physischer Replikation entsprechen die Bestände dem Index oder einer Auswahl daraus. Bei synthetischer Replikation entsteht das Indexexposure über den Swap; der gehaltene Korb kann ganz anders zusammengesetzt sein als der Index.

Worauf achten?

  • Replikationsmethode, Swap-Kontrahenten, Sicherheiten und Wertpapierleihe stehen in Prospekt, KID und Jahresbericht.
  • Die Tracking Difference über mehrere Jahre ist aussagekräftiger als die TER allein.
  • Keine Methode ist grundsätzlich besser. Es kommt auf den Index, die Kosten, die steuerliche Wirkung und die eigene Einschätzung des Kontrahentenrisikos an.

Diese Erklärung ist allgemein und keine Anlageberatung. Die konkrete Ausgestaltung eines Fonds steht in seinen Verkaufsunterlagen.

Quellen: Richtlinie 2009/65/EG (OGAW-Richtlinie), insbesondere Art. 52; ESMA-Leitlinien zu börsengehandelten Indexfonds und anderen OGAW-Themen (ESMA/2014/937).

Über diesen Guide
  • Niveau: Grundlagen
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