Indexfonds Vertiefung • 7 min

Tracking Difference und Tracking Error: Was sie messen und wie man sie liest

Redaktion indexfonds.eu
Redaktionell überarbeitet am:

Die laufenden Kosten (TER) sind die bekannteste Kostenkennzahl eines ETFs. Sie sagen aber nicht alles darüber, wie nah ein Fonds seinem Index tatsächlich folgt. Dafür gibt es zwei weitere Kennzahlen, die oft verwechselt werden: die Tracking Difference und den Tracking Error.

Was die TER abdeckt – und was nicht

Die TER umfasst die laufenden Verwaltungs- und Betriebskosten des Fonds. Nicht enthalten sind unter anderem Transaktionskosten innerhalb des Fonds, etwa beim Anpassen an Indexänderungen. Umgekehrt kann ein Fonds Erträge erzielen, die in der TER nicht auftauchen, zum Beispiel aus Wertpapierleihe. Auch steuerliche Unterschiede bei Dividenden wirken sich auf die Wertentwicklung aus.

Tracking Difference (TD): die Abweichung im Ergebnis

Die Tracking Difference ist die Differenz zwischen der Wertentwicklung des Fonds und der seines Index über einen bestimmten Zeitraum, meist ein Kalenderjahr:

TD = Rendite des Fonds − Rendite des Index

Verglichen wird in der Regel der Nettoinventarwert des Fonds (mit wieder angelegten Ausschüttungen) mit einer Netto-Performance-Variante des Index, bei der Dividenden nach einer angenommenen Quellensteuer reinvestiert werden.

  • Eine TD von −0,15 % heißt: Der Fonds lag in diesem Zeitraum 0,15 Prozentpunkte hinter dem Index.
  • Eine positive TD ist möglich, etwa wenn der Fonds weniger Quellensteuer zahlt, als der Index unterstellt, oder Erträge aus Wertpapierleihe erzielt.
  • Die TD schwankt von Jahr zu Jahr. Aussagekräftiger als ein einzelnes Jahr ist der Durchschnitt über mehrere Jahre – eine Garantie für die Zukunft ist aber auch er nicht.

Ein vereinfachtes, hypothetisches Beispiel: Fonds A hat eine TER von 0,20 % und im Jahresdurchschnitt eine TD von −0,10 %; Fonds B hat eine TER von 0,12 % und eine TD von −0,25 %. In diesem Beispiel lag Fonds A trotz höherer TER näher am Index.

Tracking Error (TE): die Gleichmäßigkeit der Abweichung

Der Tracking Error ist die Standardabweichung der Renditeunterschiede zwischen Fonds und Index, meist aus täglichen oder wöchentlichen Daten berechnet und auf ein Jahr hochgerechnet. Er misst, wie gleichmäßig der Fonds dem Index folgt – nicht, wie weit er im Ergebnis zurückliegt.

  • Ein Fonds kann einen sehr niedrigen Tracking Error haben und trotzdem jedes Jahr gleichmäßig hinter dem Index liegen.
  • Ein höherer Tracking Error ist nicht automatisch ein Zeichen schlechter Verwaltung. Er kann durch Sampling (der Fonds hält nur eine Auswahl der Indexwerte), Märkte mit weniger liquiden Wertpapieren, unterschiedliche Bewertungszeitpunkte oder den Zeitpunkt von Dividendenzahlungen entstehen.

Wo man die Werte findet

Nach den ESMA-Leitlinien zu ETFs und anderen OGAW-Themen (ESMA/2014/937) müssen indexnachbildende OGAW im Jahresbericht unter anderem den realisierten Tracking Error und die jährliche Tracking Difference angeben und Abweichungen vom erwarteten Tracking Error erläutern. Viele Anbieter nennen die Werte zusätzlich im Factsheet.

Auf indexfonds.eu zeigen wir Tracking Difference und Tracking Error nur, wenn für den Index eine vergleichbare Performance-Zeitreihe in derselben Währung vorliegt. Ein Vergleich mit einem Kursindex ohne Dividenden oder mit einem ETF als Stellvertreter würde vor allem Dividenden, Währungseffekte oder die Kosten des Stellvertreters messen.

Worauf man achten kann

  1. TER, Tracking Difference und Tracking Error nicht miteinander verwechseln.
  2. Die Tracking Difference über mehrere Jahre betrachten und Fonds nur mit demselben Index vergleichen.
  3. Prüfen, welche Indexvariante (Kurs-, Netto- oder Bruttoindex) als Vergleich dient.
  4. Neben den Fondskosten auch die eigenen Handelskosten (Spread, Ordergebühren) berücksichtigen.

Vergangene Tracking-Werte beschreiben die Vergangenheit. Kostenstrukturen, Steuerregeln und Wertpapierleihe können sich ändern.

Über diesen Guide
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  • Lesezeit: 7 min

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